Die praktische Ausbildung in der generalistischen Pflegeausbildung nach PflBG umfasst einen Mindeststundenumfang von 2.500 Stunden. Diese verteilen sich auf verschiedene Praxiseinsätze über alle drei Ausbildungsjahre hinweg. Ziel ist es, umfassende berufliche Handlungskompetenzen für die Pflege von Menschen aller Altersgruppen in unterschiedlichen Versorgungssettings zu erwerben.
Im letzten Ausbildungsdrittel erfolgen – neben dem Pflichteinsatz in der psychiatrischen Versorgung sowie dem Vertiefungseinsatz – ein sogenannter „weiterer Einsatz“ im Umfang von mindestens 80 Stunden.
Zusätzlich stehen weitere 80 Stunden zur freien Verteilung zur Verfügung. Diese können entweder:
- im Versorgungsbereich des Vertiefungseinsatzes absolviert werden oder
- zur Verlängerung des „weiteren Einsatzes“ genutzt werden, sodass dieser insgesamt bis zu 160 Stunden umfassen kann.
Eine detaillierte Übersicht zum zeitlichen Verlauf sowie zur Stundenverteilung der praktischen Ausbildung in der beruflichen Pflegeausbildung finden Sie in Anlage 7 der Pflegeberufe-Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (PflAPrV):
https://www.gesetze-im-internet.de/pflaprv/BJNR157200018.html
Der „weitere Einsatz“ ist bewusst flexibel gestaltet. Er bietet Auszubildenden die Möglichkeit, einen zusätzlichen Versorgungsbereich bzw. speziellere Tätigkeitsbereiche der Pflege kennenzulernen, der über die gesetzlich festgelegten Pflichteinsätze hinausgeht. Dabei können individuelle Interessen, berufliche Perspektiven und regionale Versorgungsstrukturen gezielt berücksichtigt werden. Dementsprechend ist es nicht vorgesehen, dass er beim Träger der praktischen Ausbildung stattfindet, bzw. müssten sonst entsprechende Angebote vorgehalten werden. Der weitere Einsatz darf nicht auf verschiedene Einrichtungen aufgeteilt werden.
Hinweis: Der „weitere Einsatz“ sowie die Stunden zur freien Verteilung können vollständig im Ausland absolviert werden, sofern die Anerkennung (über ein Antragsverfahren) durch die zuständige Stelle gewährleistet ist:
https://kopa-berlin.de/ressourcen/auslandspraktikum-in-der-beruflichen-pflegeausbildung/
Wichtig ist, dass sich der weitere Einsatz inhaltlich von bisherigen Praxiserfahrungen unterscheidet und diese sinnvoll ergänzt.
Trotz der größeren Gestaltungsfreiheit verfolgt der „weitere Einsatz“ klar definierte Kompetenzziele:
1. Versorgung in besonderen Settings verstehen
- Einblicke in spezialisierte Tätigkeitsfelder
- Erfahrungen im Umgang mit spezifischen Patienten- bzw. Bewohnergruppen (z. B. Menschen mit psychischen Erkrankungen oder in palliativen Situationen)
2. Pflegefachliche Kompetenzen vertiefen
- Anwendung und Reflexion vorhandenen Wissens in neuen Kontexten
- Kennenlernen spezifischer Pflegekonzepte (z. B. Schmerzmanagement, Krisenintervention)
3. Interprofessionelle Zusammenarbeit erleben
- Kooperation mit verschiedenen Berufsgruppen, z. B.:
- Ärztinnen und Ärzten
- Therapeutische Dienste
- Sozialdienste
4. Kommunikative Kompetenzen erweitern
- Gesprächsführung in herausfordernden Situationen, z. B.:
- Krisensituationen
- Sterbebegleitung
- Zusammenarbeit mit Angehörigen
5. Berufsorientierung stärken
- Reflexion eigener Interessen und beruflicher Perspektiven
- Realistische Einblicke in Arbeitsalltag, Anforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten
Geeignete Einsatzbereiche (Auswahl)
Im Rahmen des „weiteren Einsatzes“ kommen insbesondere spezialisierte oder ergänzende Versorgungsbereiche infrage, zum Beispiel:
- Hospize und Palliativpflegeeinrichtungen
- Rehabilitationseinrichtungen
- Tagespflegeeinrichtungen
- Pflegestützpunkte und Einrichtungen der Pflegeberatung nach SGB XI
- Gesundheitsämter
- Einrichtungen des Medizinischen Dienstes
- Psychosoziale sowie Familien- und Erziehungsberatungsstellen
- Dialysezentren
- Pflegebereiche in Justizvollzugsanstalten
- Privatkliniken
- Ambulante OP-Zentren
- Notaufnahmen
- Rettungsdienst (Krankentransport und Notfallversorgung)
- Intensivstationen (auch außerklinische)
- OP- und Anästhesiebereiche
- (Akut-)Psychiatrie und Tageskliniken
- Gerontopsychiatrische Einrichtungen und Demenzbereiche
- Neurologische oder orthopädische Rehabilitation
- Einrichtungen der onkologischen Versorgung
- Einrichtungen der Behindertenhilfe